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Behauptungen & Tatsachen
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Thema
KWK-Ausbau beeinträchtigt den Einsatz heimischer Kohle?

Behauptung
Ein KWK-Ausbau verdrängt Strom aus existierenden Kohlekraftwerken und vermindert daher den Einsatz heimischer Stein- und Braunkohle zugunsten von ausländischem Erdgas.


Tatsache
Diese auf den ersten Blick plausibel erscheinende Behauptung wird in der beigefügten Anlage quantitativ nachvollziehbar überprüft für den Fall, dass die KWK-Stromerzeugung bis zum Jahr 2010 gegenüber dem Jahr 1998 verdoppelt wird. Diese Verdopplung entspricht dem im Klimaschutzprogramm verankerten Regierungsbeschluss zur Einsparung von 23 Mio t CO2-Emissionen bis 2010. Die Überprüfung zeigt für diesen Zeitrahmen:


Braunkohlestrom wird keineswegs verdrängt. Vielmehr wird die Nachfrage nach Braunkohlestrom wachsen, weil er sich – wie der Atomstrom – aufgrund seiner Kostenstruktur für die Grundlasterzeugung eignet und weil infolge der vereinbarten Abschaltung von Atomkraftwerken die Erzeugung von Atomstrom in Zukunft rückläufig ist. KWK-Strom ist dagegen überwiegend Mittellaststrom, der Grundlastanteil des zusätzlichen KWK-Stroms kann den absehbaren Rückgang der Atomstromerzeugung bei weitem nicht kompensieren. Vielmehr wird dieser Rückgang auch zur Verlagerung von Steinkohlekraftwerken in die Grundlast führen.


Steinkohlestrom: Abnahme des Atomstroms und Zunahme des KWK-Stroms sowie andere Einflüsse (Zunahme des Stromverbrauchs und der Erzeugung aus erneuerbaren Energien) werden aller Voraussicht nach dazu führen, dass die Erzeugung von Steinkohlestrom bis 2010 geringfügig zurückgeht. Da aber bis 2010 eine erhebliche Kapazität an Steinkohlekraftwerken alters- und effizienzbedingt stillgelegt wird, mindert der KWK-Ausbau dennoch nicht die Stromerzeugung in den verbleibenden Steinkohlekraftwerken; vielmehr vermindert er den Ersatzbedarf an neuen Steinkohle-Kondensationskraftwerken.


Deutsche Steinkohle: Der Einsatz deutscher Steinkohle wird durch den KWK-Ausbau überhaupt nicht beeinträchtigt. Bereits 1998 konnten nur knapp zwei Drittel des Steinkohlestroms mit deutscher Kohle erzeugt werden. Deren Anteil nimmt weiter erheblich ab, da die Steinkohleförderung gemäß den kohlepolitischen Beschlüssen von 1997 von 45 Mio t SKE im Jahr 1998 auf 26 Mio t SKE im Jahr 2005 absinkt. Der KWK-Ausbau beeinflusst also allenfalls den Einsatz von Importsteinkohle.


Fazit: Die Behauptung, der KWK-Ausbau vermindere den Einsatz deutscher Stein- und Braunkohlekohle, ist falsch und dient als vorgeschobenes Argument. Tatsächlich geht es darum, ob zukünftige Ersatzkapazitäten als zentrale Kondensationskraftwerke errichtet werden oder als effizientere, dezentrale KWK-Anlagen. Letztlich geht es daher um den Bestand des Quasimonopols der Verbundkonzerne für die Stromerzeugung.


 

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