16. November 2017

Kraft-Wärme-Kopplung – die Schlüsselenergie für die Sektorenkopplung


Berlin, 16.11.2017. – Der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) widmete sich auf seinem Kongress 2017 der zukünftig notwendigen Rolle der KWK in der Energiepolitik.

„Die Energiewende muss künftig ganzheitlich gesehen werden“, fordert B.KWK-Präsident Berthold Müller-Urlaub, “mit der KWK als geborene Partnerin der Erneuerbaren Energien“. Die Einführung der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch, den Ausschluss der KWK von der Mieterstromförderung und die vorgesehene Abschaffung der vermiedenen Netznutzungsentgelte ab 2023 kritisiert Müller-Urlaub als „Hinterlassenschaft der alten Bundesregierung“. Der bisherigen Darstellung der Energiewende nur als Stromwende muss der Rücken gekehrt werden. „Wir brauchen eine Wärmewende“ fordert Müller-Urlaub, den gut die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchs entfällt auf den Wärmeverbrauch. „Wärme kann schon heute so klimafreundlich, wie unter wirtschaftlichen und sozialen Aspekten möglich, sektorübergreifend mit KWK bereitgestellt werden“, erläutert der B.KWK-Präsident. „Von der neuen Regierung zu meisternde Aufgaben sind“, so Müller-Urlaub, „die notwendige Einführung einer nationalen CO2-Steuer neben dem ETS, die Berücksichtigung der geborenen Rolle der flexiblen KWK als Koppelelement der Sektorenkopplung unter Nutzung des Gasnetzes und die Einleitung einer generellen Neustrukturierung des Energieversorgungssystems“. Neue Technologien und die bestehende Infrastruktur, wie das Gasnetz, müssen besser genutzt werden und neue Technologien, wie z.B. power to gas, in den nächsten Jahren aufgebaut werden. Die im Energiesystem der Zukunft ergänzend zu den dann primären Erneuerbaren Energien notwendige flexible Residuallast kann die schon heute verfügbare KWK leisten. „Dem Nischendasein der flexiblen KWK will der B.KWK“, unterstreicht Müller-Urlaub, „zur Steigerung der Bekanntheit ein Gesicht geben mit den verbandseigenen Marken Blauer Strom® und Blaue Wärme®.

Für Michael Geßner aus dem Wirtschaftsministerium NRW ist „die KWK ein Urgestein der Sektorenkopplung“, sie werde aber nie als erstes genannt, sondern es werde über Techniken geredet, die wir erst in der Zukunft haben werden. KWK-Anlagen, die auf Wärmesenken angewiesen sind, mit Ausschreibungen vergleichen zu wollen, passe nicht in das System. Geßner fordert “Wir brauchen die KWK auch zukünftig, aber sie muss mit Mechanismen gefördert werden, die auch dafür geeignet sind.“

Prof. Patrick Sensburg, MdB, führt aus, „Man braucht eine Menge Daten, wenn man Energie ökonomisch nutzen will in smarten Systemen.“ Sehr schnell gehe es dabei auch um die Macht der Daten. „KWK wird zunächst lokal und regional gestaltet, agiert aber sehr schnell auch europaweit“, warnt Sensburg. Heinz Ullrich Brosziewski, Vizepräsident des B.KWK, stellt klar „KWK ist ein Prinzip zur sehr effizienten Bereitstellung von Strom, Wärme und Kälte“. Zudem verweist er im Zusammenhang mit der Sektorkopplung auf KWK und Speichern hin „Wir haben in Deutschland einen drei Monate reichenden Energiespeicher-das Gasnetz“. Würde dort grünes Gas aus power to gas eingespeist, wäre es zu schade zur Verbrennung in Kesseln. „Dann sollte dieses Gas in KWK-Anlagen eingesetzt werden." Annegret Agricola, Berliner Energieagentur GmbH, verweist auf die zwei zentralen Elemente der Energiewende Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Sie erläutert „Sektorkopplung soll dazu dienen, die Ziele der Energiewende effizient zu erreichen. KWK wird hier als ein zentraler Baustein   dezentrale und zentrale Lösungen verknüpfen. Sie kann über Wärmespeicher erhebliche Flexibilität darstellen“. Eberhard Holstein, Digital Energy Solutions GmbH & Co. KG, stellt fest „Die Liberalisierung des Strommarktes ist heute noch nicht abgeschlossen. Das muss Sektorkopplung leisten“. Dr. Andreas Schnauß, Vattenfall Europa Wärme AG,  hebt hervor „Man kann KWK sehr gut ergänzen mit power to heat und erzeugt dann bei Überangebot von Wind und Sonne die Wärme mit erneuerbarem Strom, dann haben wir KWK 3.0. KWK ist eigentlich ein Thema, dass die Jamaika-Koalition zusammenbringen könnte“. Prof. Maslaton, Vizepräsident des B.KWK, kritisiert den aktuellen Rechtsrahmen für KWK scharf „Die EEG-Umlage auf eine Hocheffizienztechnologie wie KWK aufzuschlagen, ist widersinnig. Die KWK mit diesem Ausschreibungssystem weiterentwickeln zu wollen, wird scheitern.“

Der B.KWK-Kongress ist der Branchetreff und widmete sich zum 9. Mal in Folge allen Themen rund um die Kraft-Wärme-Kopplung. Dieses Jahr bekam der B.KWK-Kongress ein neues Gesicht und Format: KWK 2.0. Zu den Neuerungen gehören das auf die anderthalb Tage komprimierte Programm, die Location und die Optik sowie der Infomarkt – ein Ort, an dem Unternehmen, so genannte Stationsexperten, ihre Best Practice (erfolgreiche Umsetzungsbeispiele zur KWK, Dienstleistungen sowie Know-how zu den rechtlichen Fragen) präsentierten. Über 100 Teilnehmer u.a. aus den Bundes- und Landesministerien und Behörden, der Energiewirtschaft und der Wissenschaft nahmen am diesjährigen B.KWK-Kongress teil.

Der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung e.V. (B.KWK) ist ein breites gesellschaftliches Bündnis von Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen zur Förderung des technischen Organisationsprinzips der Kraft-Wärme-Kopplung, unabhängig von der Art und der Größe der Anlagen, vom Einsatzbereich und vom verwendeten Energieträger. Der Verband wurde 2001 in Berlin gegründet und zählt mittlerweile rund 520 Mitglieder. Ziel ist dabei die Effizienzsteigerung bei der Energieumwandlung zur Schonung von Ressourcen und zur Reduktion umwelt- und klimaschädlicher Emissionen.

                                                                                                

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