Gemeinsame Forderung von LEE NRW, B.KWK und 2G: „Erneuerbare Energien und dezentrale Back-ups gemeinsam denken“

Aktuelles, Pressemitteilung

Barbara Minderjahn (links) im Gespräch mit Ralf Köpke (LEE NRW), Frank Glowe (2G) und Christian Vossler (LEE NRW)

Essen, 10. Februar 2026. Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW, der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung sowie das Unternehmen 2G Energy AG fordern die Bundesregierung auf, bei der Kraftwerksstrategie deutlich mehr auf dezentrale Technologien als auf fossile Großkraftwerke zu setzen.

Vor gut drei Wochen hat sich die Bundesregierung mit der EU-Kommission auf Eckpunkte für die hierzulande geplante Kraftwerksstrategie geeinigt. Danach können im ersten Schritt Gaskraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 12.000 Megawatt Leistung ausgeschrieben werden. Diese Reservekraftwerke sollen in Zeiten sogenannter Dunkelflauten in Betrieb gehen, sprich immer dann, wenn während der Wintermonate nur wenig Wind weht und die Sonne nicht scheint, es aber gleichzeitig einen hohen, kältebedingten Strombedarf gibt.

Für Christian Vossler, Geschäftsführer des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW), führen diese Pläne in eine neue „fossile Abhängigkeit“: „Die Bundesregierung hat wirklich nichts aus der fatalen Abhängigkeit vom Putin-Gas gelernt. Das Flüssigerdgas (LNG), mit dem die geplanten Gaskraftwerke befeuert werden sollen, wird weitestgehend aus autokratischen Staaten kommen. Das ist ein energiepolitischer Treppenwitz.“

Für die künftige Versorgungssicherheit, so der Vorwurf des LEE NRW, habe die Bundesregierung bereits mindestens ein Jahr verloren, weil Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche bei den Verhandlungen mit Brüssel eine überzogene Reservekapazität von mindestens 20.000 MW Leistung gefordert hatte.

„Nicht nur diese Verzögerung ist sehr ärgerlich, sondern auch die Tatsache, dass Reiche nach wie vor nicht die bewährten technologischen Alternativen anerkennt, die wesentlich preiswerter sind und auch schneller in Betrieb sein können“, so Vossler.

Der LEE-Geschäftsführer verweist auf die Ergebnisse eines vom Verband im vergangenen Sommer bei der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Frontier Economics in Auftrag gegebenes Gutachten: „Danach ist die für die Versorgungssicherheit notwendige Flexibilität der Erzeugungsanlagen zu großen Teilen mit dem Ausbau von dezentralen Motoren und stromgeführten Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) möglich. Durch den Einsatz von Wärmespeichern kann die Wärme von der Stromerzeugung auch zeitlich entkoppelt werden. Kleine Gasmotoren lassen sich zudem schnell errichten und potenziell unmittelbar auf grünen Wasserstoff umrüsten. Weil diese kleinen Kraftpakete dezentral eingesetzt werden, wird das Stromnetz sogar entlastet.“

Kaum Beachtung schenkt das Reiche-Ministerium, so der LEE NRW, außerdem dem großen Potenzial von Speichertechnologien: „Batteriespeicher beispielsweise stehen noch am Anfang ihrer technologischen Entwicklungen, sprich sie werden wesentlich preiswerter und sind subventionsfrei.“

Das Credo von Vossler lautet deshalb: „Wir brauchen keine Retro-Energieversorgung, die Wirtschaft und Verbraucher Milliarden kosten wird. Reiches Weg führt in die energiewirtschaftliche Sackgasse.“

B.KWK: „Gleichzeitig für die notwendige Versorgungssicherheit und Resilienz sorgen“

Genau hier sieht der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) eine zentrale Weichenstellung, die die Politik vornehmen muss. „Bundeswirtschaftsministerin Reiche hat erst vor kurzem bestätigt, worauf wir seit langem hinweisen: dezentrale KWK-Anlagen sind eine zentrale Säule der Energieversorgung, weil sie genau das hohe Maß an Flexibilität mitbringen, das ein auf Erneuerbare Energien basierendes System braucht, und dabei gleichzeitig für die notwendige Versorgungssicherheit und Resilienz sorgen“, sagt die Hauptgeschäftsführerin des B.KWK Barbara Minderjahn.

Daraus ergeben sich konsequente politische Forderungen. Die KWK muss nach Einschätzung des B.KWK in allen drei energiepolitischen Gesetzen, die in diesem Jahr verabschiedet werden, fest verankert werden: „Prinzipiell muss jedes neue Reservekraftwerk, das im Zuge des Kraftwerkssicherungsgesetzes gebaut wird, eine KWK-Anlage sein“, fordert Barbara Minderjahn. „Aber die KWK spielt nicht nur bei der regionalen Strom- und Fernwärmeversorgung eine wichtige Rolle, sondern auch – als kleinere Anlage – im Rahmen von Nahwärmenetzen und bei der Versorgung von Gebäuden und Objekten. Daher muss die KWK auch im Gebäudemodernisierungsgesetz als Erfüllungsoption genannt werden. Und wir brauchen dringend eine Verlängerung des Kraft-Wärme-Kopplung-Gesetzes noch in diesem Jahr. Denn nur hier ist die Förderung dieser für das Energiesystem existentiellen Technologie geregelt und muss erhalten werden.“

2G Energy: „Flexibilität ist entscheidend“

Frank Grewe, Technikvorstand der 2G Energy AG, vermisst bei der Bundesregierung nach wie vor ein klares Bekenntnis, dass sie Ernst macht „mit einer zukunftsorientierten Energiepolitik, die unverzichtbar für unsere Wirtschaft und den Klimaschutz ist.“

Das Unternehmen aus dem westmünsterländischen Heek (Kreis Borken) zählt seit über zwei Jahrzehnten bundesweit zu den führenden Anbietern von KWK-Anlagen und hat mittlerweile auch zusätzlich mit der Fertigung von Großwärmepumpen in der Leistungsklasse von 100 bis 2.700 Kilowatt begonnen: „Gerade die Kombination aus KWK und Wärmepumpe verschafft unseren Kunden maximale Flexibilität – technisch wie energiewirtschaftlich. Sie können je nach Bedarf zwischen Strom- und Wärmeerzeugung optimieren und zugleich flexibel auf unterschiedliche Energieträger reagieren – von erneuerbaren Molekülen bis zu vorhandenen Energieinfrastrukturen. Genau diese Flexibilität ist entscheidend, um Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen“, so Grewe.

Er sieht noch Verbesserungspotenzial bei allen dezentralen Technologien, was hilft, Kosten und Effizienz zu versteigern. Grewe verweist auf die Wärmepumpen aus dem eigenen Haus, die 2G Energy auf der Fachmesse E-World in Essen präsentiert: „Mit unserer neu entwickelten Isobutan-Wärmepumpe machen wir Anwendungen elektrifizierbar, die bisher als besonders anspruchsvoll galten. Vorlauftemperaturen von 100 Grad Celsius werden heute bereits sicher erreicht – und markieren erst den Anfang dessen, was technologisch möglich ist. Damit eröffnen wir neue Perspektiven für industrielle Prozesse und Wärmenetze auf Basis eines natürlichen Kältemittels und treiben die Wärmewende in komplexen Einsatzfeldern entscheidend voran.“

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